1.4. Bildgebende Diagnostik
Die bildgebende Diagnostik nimmt einen entscheidenden Stellenwert in der Früherkennung von Brustläsionen ein. Derzeit werden folgende bildgebende Verfahren fürdie Diagnose von Brustläsionen eingesetzt: Mammographie, Ultraschall, Magnetresonanz-Tomographie und Core Biopsie. Alleinige oder kombinierte Anwendungen erlauben eine Detektion von mehr als 95%.
1.4.1 Bildgebende Verfahren
Mammographie (MG): Mammographiegeräte funktionieren im Prinzip wie jedesandere Röntgensystem, sie bestehen aus einer Röntgenröhre, Filmfoliensystem undeinem beweglichen Streustrahlenraster.
Es werden in der Regel zwei Bilder pro Brust angefertigt: kranio-kaudal (CC) und schräg-seitlich (OBL), um einerseits die Anzahl der Aufnahmen auf ein Minimum zureduzieren und zusätzlich axilläre Strukturen mit abzubilden. Auch können spezielle Zielaufnahmen angefertigt werden. Mammographische Untersuchungen werden im Rahmen der Vorsorge und zur Abklärung eines fraglich pathologischen Befundes durchgeführt. Die Empfehlung der American Cancer Society besteht in der Vornahme eines Basismammogramms ab dem 35. Lebensjahr sowie von Kontrollmammographien zwischen dem 40. und 49. Lebensjahr in 2-jährigem Abstand und ab dem 50. Lebensjahr im 1-jährigen Abstand.
Ultraschall (US): Eine Ultraschall-Untersuchung kann die Mammographie als Screeningverfahren nicht ersetzen, sie ist jedoch, mit Hilfe eines hochauflösenden Schallkopfes (17 MHz) durchgeführt, eine wichtige Ergänzungsuntersuchung zur Mammographie. Die untersucherabhängige US-Untersuchung ermöglicht in erster Linie die Unterscheidung von Zysten und soliden Tumoren. Sie wird aber auch zur Differenzierung von letzteren eingesetzt (DD:Fibroadenom, Karzinom). Je nach Studie wird in Bezug auf die der Karzinomdiagnostik eine Sensitivität von 60–70 % und eine Spezifitätvon 80–85 % erreicht.
Die US-Untersuchung sollte nicht alleine als diagnostisches Verfahren eingesetzt werden.
Magnetresonanz-Tomographie (MRT): Die MRT ist derzeit keine Routine-Untersuchungund wird indikationsbezogen durchgeführt. Die Untersuchungen werden an MRT-Geräten mit speziellen Brust-Spulen in Bauchlage angefertigt. Neben dynamischenT1-gewichteten 2- bzw. 3-dimensionalen Volumensequenzen stehen hochauflösende Sequenzen nach Kontrastmittelapplikation zur Verfügung. Auch werden in neueren Studien diffusionsgewichtete Sequenzen und Spektroskopie eingesetzt. Wegen der Hormonabhängigkeit der Durchblutung der Brustdrüse sollte bei der MRT der Brust ein Zeitraum zwischen dem 7. und 13. Zyklustag gewählt werden. Hauptindikationen für die MRT der Brust sind: Hochrisikopatientinnen (BRCA-1-/-BRCA-2-Mutationen, familiäre Häufung), Abklärung von Brustimplantaten, Differenzierung von Narben bzw. Rezidiven nach chirurgischen Eingriffen, präoperatives Staging und Klärung von nicht eindeutigen bzw. diskrepanten klinischen, mammographischen oder sonographischen Befunden.
Core-Biopsie (Stanzbiopsie und Vakuumbiopsie): Der zunehmende Einsatz bildgebender Verfahren führt vermehrt zur Darstellung nicht-tastbarer Veränderungen mit fraglicher Dignität, womit die Notwendigkeit einer histologischen Abklärungbesteht. Bei der Stanzbiopsie bzw. Vakuumbiopsie wird ein Gewebszylinder gewonnen, der eine histologische Untersuchung ermöglicht. Stanzbiopsien bzw. Vakuumbiopsienwerden stereotaktisch-mammographisch, sonographisch-handgesteuert oder MRT gesteuert unter Zuhilfenahme von automatisierten Biopsiepistolen bzw. Vakuumsystemen durchgeführt. Stanzbiopsie bzw. Vakuumbiopsie weisen eine hohe Genauigkeit auf (Fehlerrate von max. 2 %) und haben sich bereits als Alternative zur offenen Biopsie durchgesetzt.
1.4.2 Klassifikationsschemata der bildgebenden Diagnostik
In den letzten Jahren hat sich ein einheitliches Diagnoseschema, das auf die Malignitätswahrscheinlichkeit bezogen ist und das weitere Procedere vorschlägt, etabliert: BIRADSTM – Breast Imaging Reporting And Data System (für MG, US, MRT) (Tab.2).
Gerade in der Mammographie ist die Aussage über Veränderungen der Brust von der Dichte abhängig. Hier haben sich die 4 Dichteklassen nach der ACR-Skala (Tab. 3) zur Charakterisierungder Brust-Beschaffenheit etabliert.
1.4.3 Mammographie-Screening – Früherkennungsprogramme
Screeningprogramme haben die Aufgabe, symptomfreie Bevölkerungsgruppen in Reihenuntersuchungenstandardisiert auf das Vorhandensein bestimmter Erkrankungenzu „durchleuchten“. Beim Mammakarzinom werden durch frühzeitiges Erkennen die Morbidität und Mortalität deutlich gesenkt. Durch Früherkennung werden finanzielle Ressourcen geschont. Ebenfalls muss der Nutzen an der betreffenden Bevölkerung deutlich größer sein als potenzielle, durch die Teilnahme hervorgerufene Schäden.
Zahlreiche Studien zeigten, dass flächendeckende standardisierte und qualitätsgesicherte Mammographie-Screening-Programme bei asymptomatischen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren im Abstand von 2 Jahren zu einer 25%igen Verminderung der Brustkrebssterblichkeit führen.
Qualitätsgesicherte Screeningprogramme erfordern technische und strukturelle Voraussetzungen, eine enge Zusammenarbeit verschiedener Leistungserbringer sowie die Schaffung intersektoraler Strukturen verschiedener Fachgebiete in bestehenden Gesundheitssystemen.
Im April 2006 hat die Europäische Kommission die neuen Leitlinien zur Qualitätssicherung bei Brustkrebsvorsorge und -diagnose veröffentlicht. Ziel dieser Initiative ist es, die Überlebensrate bei Brustkrebs in ganz Europa zu erhöhen (Tab. 4).
Literatur:
1 „Bildgebende Mammadiagnostik“, S. H. Heywang-Köbrunner / I. Schreer,Thieme 2003
2 ACR BI - RADS Deutsche Ausgabe des Breast Imaging and Reporting Data System (BI-RADS), Fischer, Helbich, Pfarl,Thieme 2006
3 Stereotactic and ultrasound-guided breast biopsy., Helbich TH,Matzek W, Fuchsjäger MH., Eur Radiol. 2004 Mar;14 (3):383-93. Epub 2003 Nov 13
4 US-guided 14-gauge core-needle breast biopsy: results of a validation study in 1352 cases. Schueller G, Jaromi S,Ponhold L, Fuchsjaeger M, Memarsadeghi M, Rudas M, Weber M, Liberman L, Helbich TH. Radiology. 2008 Aug;248(2):406-13.
5 Mammographie-Screening Austria - ÖBIG 2004



