Manual der gynäkologischen Onkologie

I. Mammakarzinom

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1.9. Chemotherapie (Autoren: Edgar Petru, Ernst Kubista)

1.9.1 Zytostatika und Verabreichungsschemata

Tab. 6: Am häufigsten verwendete Chemotherapieschemata beim Mammakarzinom
Tab. 6: Am häufigsten verwendete Chemotherapieschemata beim Mammakarzinom

Die Chemotherapie stellt sowohl im adjuvanten Setting als auch palliativen Setting einen wesentlichen Therapiepfeiler dar (Tab. 6).
Die effektivsten Zytostatika sind Anthrazykline, Taxane und Cyclophosphamid.

1.9.2 Nebenwirkungen der Chemotherapie und Management

Tab. 7: Nebenwirkungen der Zytostatika beim Mammakarzinom (Übersicht)
Tab. 7: Nebenwirkungen der Zytostatika beim Mammakarzinom (Übersicht)
Tab. 8: Empfehlungen gegen Übelkeit und Erbrechen bei mäßig und hoch emetogener Chemotherapie
Tab. 8: Empfehlungen gegen Übelkeit und Erbrechen bei mäßig und hoch emetogener Chemotherapie

Auf die 3 Hauptnebenwirkungen – Übelkeit/Erbrechen, Anämie und Neutropenie – sowie deren Beeinflussung wird im Folgenden eingegangen:

Übelkeit und Erbrechen:
Die Multinational Association for Supportive Care in Cancer (MASCC) empfiehlt die in Tab. 8 dargestellten prophylaktischen Strategien bei mäßig und hoch emetogener Chemotherapie.

Therapie der Neutropenie mit Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren:
Eine primäre oder sekundäre prophylaktische G-CSF-Gabe sollte (nur) bei potenziell kurativem Ansatz erfolgen. Eine Primärprophylaxe mit G-CSF bereits ab dem ersten Therapiezyklus sollte ab einem febrilen Neutropenie-Risiko > 20 % erfolgen. Dabei sind das Therapieschema und sein individuelles Risiko und Patientenfaktoren zu berücksichtigen. Unter diesen Faktoren sind in erster Linie zu erwähnen: Alter über 65 Lebensjahre, Zustand nach vorausgegangener Radiotherapie des Mediastinums, des Paraaortalfeldes und/oder des Beckens aufgrund eines anderen Malignoms.

Einsatz von Erythropoetin bzw. Erythropoese-stimulierenden Proteinen (ESP):

  • Therapieziele:
    - Verbesserung der Lebensqualität
    - Prävention von Bluttransfusionen und deren Risiken, wie erhöhtes Infektionsrisiko, Gefahr immunologischer Früh- und pätreaktionen, Eisen- und Volumenüberlastung
  • Indikation für Erythropoese-stimulierende Proteine:
    - klinisch relevante, symptomatische Chemotherapie-induzierte Anämie mit einem Hämoglobin-Wert (Hb) 10 g/dl
    - nach vorherigem Ausschluss einer Anämie anderer Ursache (z. B. Blutungsanämie, Vitamin-B12-Mangel)
  • Kontraindikationen für Erythropoese-stimulierende Proteine:
    - anamnestische und/oder bestehende arterielle Thromboembolie (Myokardinfarkt, ischämischer Insult)
    - anamnestische und/oder bestehende venöse Thromboembolie Pulmonalembolie, tiefe Beckenvenen- oder Beinvenenthrombose)
    - schwere unkontrollierte arterielle Hypertonie

Eine ESP-Gabe bei Patientinnen unter Radiotherapie ohne gleichzeitige Chemotherapie wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Sicherheit von Erythropoese-stimulierenden Proteinen:

  • Thromboserisiko: Der Hämoglobin-Zielbereich von 11 bis 12 g/dl sollte nicht überschritten werden. Besonders Hämoglobin-Werte ab 14 g/dl, ein Anstieg des Hb-Wertes über 1 g/dl innerhalb von 14 Tagen und die Anwendung höherer Erythropoetin-Dosierungen als in der Fachinformation zugelassen sind mit einem signifikant erhöhten Thromboserisiko verknüpft (relatives Gesamtrisiko gegenüber Patienten ohne ESP 1,56 bis 1,67). Die Thromboembolie erhöht auch die Mortalität mäßig (relatives Risiko 1,10).
  • Weitere mögliche Nebenwirkungen:
    - arterielle Hypertonie
    - Schmerzen bzw. Rötung an der Injektionsstelle (sehr selten)
    - Bildung von Antikörpern gegen ESP (in der Onkologie selten)
  • Tumorwachstum und Überleben: Auf vielen Tumoren wurden Erythropoetin-Rezeptoren nachgewiesen. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Bindung von ESP an diese Rezeptoren und einem möglichen Proliferationsreiz von Malignomen ist nicht nachgewiesen worden. Ein solcher scheint aber auch nicht ausgeschlossen. Studien, die den Zusammenhang zwischen der Gabe von ESP und dem Überleben untersucht haben, haben zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Konklusive Aussagen zu Tumorwachstum und Überleben im Zusammenhang mit einer ESP-Therapie können derzeit wegen widersprüchlicher Studienergebnisse nicht gemacht werden.

Literatur:

1. Aapro M. S. et al. EORTC guidelines for the use of granulocyte-colony stimulating factor to reduce the incidence of chemotherapy-induced febrile neutropenia in adult patients with lymphomas and solid tumours. Eur J Cancer 2006; 42(15):2433-2453
2. Petru E., Jonat R., Fink D., Köchli O. (Hrsg.). Praxisbuch Gynäkologische Onkologie, 2. Auflage, Springer, Heidelberg, 2008
3. Smith T.J. et al. 2006 update of recommendations for the use of white blood cell growth factors: an evidence-based clinical practice guideline. J Clin Oncol 2006; 24(19):3187-3205