Epidemiologie: Das Ovarialkarzinom ist das fünfthäufigste Karzinom der Frau mitjährlich rund 800 Neuerkrankungen in Österreich. Etwa eine von 70 Frauen erkrankt inihrem Leben an einem Ovarialkarzinom. Die Inzidenz der Erkrankung ist in den vergangenen20 Jahren um etwa 20 % zurückgegangen. Über den gleichen Zeitraum hatsich ebenfalls die altersstandardisierte Mortalität des Ovarialkarzinoms von 9,7 Todesfällenpro 100.000 Frauen im Jahre 1979 auf 5,8 Todesfälle auf 100.000 Frauen im Jahre 2006 verringert; dies bedeutet einen Rückgang um 40 % (Jahrbuch der Gesundheitsstatistik. Hrsg.: Statistik Austria, Wien 2007).
Die Abnahme der Inzidenz des Ovarialkarzinoms ist möglicherweise eine Folge des vermehrten Einsatzes hormoneller Kontrazeptiva. Es ist bekannt, dass die Pille mit einer Einnahmedauer von mehr als 12 Monaten zu einer Reduktion des Ovarialkarzinomrisikosum etwa 50 % führt. Der deutliche Rückgang der Mortalität ist auf eine langsame, aber stete Verbesserung der primäroperativen und medikamentösen Therapie zurückzuführen.
Die Entstehung des Ovarialkarzinoms wurde mit der Anzahl an Ovulationen im Lebeneiner Frau in Zusammenhang gebracht. So wirken sich Umstände, die mit einer Verhinderung von Ovulationen einhergehen, positiv auf das Erkrankungsrisiko aus, wie die Anzahl an Schwangerschaften und Geburten, Stillzeiten, späte Menarche undfrühere Menopause. Weitere Faktoren, die mit einem geringeren Ovarialkarzinomrisikoeinhergehen, sind die Tubenligatur sowie die Hysterektomie, aber auch die bereitsgenannte Anwendung der Pille als Kontrazeptivum (Ness et al., 2000).
In jüngster Zeit wird in der Ätiologie des serösen epithelialen Ovarialkarzinoms als Ausgangspunkt der Erkrankung das Epithel der Tubenschleimhaut, insbesondere der Fimbrienenden, diskutiert. Anhaltspunkt für diese Theorie ist die Beobachtung, dass bei prophylaktischen Adnexektomien von Frauen mit BRCA-1- oder BRCA-2-Genmutationenin der histologischen Aufarbeitung auffallend häufig ein In-situ-Karzinomdes Tubenepithels gefunden wurde (Carlson et al., 2008). Als praktische Konsequenz dieser Erkenntnisse ist bei der prophylaktischen Adnexektomie für Frauen mit BRCA-1- oder BRCA-2-Genmutationen jedenfalls auch die vollständige Entfernung der Tuben zu empfehlen. Außerdem ist zu überlegen, bei geplanter Tubenligatur das Fimbrienendemit zu entfernen, auch wenn es derzeit dafür noch keine beweisenden Daten gibt, welche die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme unterstreichen.

