Manual der gynäkologischen Onkologie

II. Epitheliales Ovarialkarzinom

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2.9. Nachsorge (Autor Lothar C. Fuith)

    Tab. 2: Nachsorge
    Tab. 2: Nachsorge

    Da das Ovarialkarzinom in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird, ergibt sich daraus schon eine schlechte Prognose und hohe Rezidivquote. Ungefähr 20–30 % aller Patientinnen aus niedrigeren Stadien und 50–75 % aller Frauen aus fortgeschrittenen Stadien, die nach einer First-Line- Chemotherapie in komplette Remission kommen, entwickeln letztendlich ein Tumorrezidiv. Die eingeschränkte Heilungsmöglichkeit und die deutlichen Nebenwirkungen der Chemotherapie stellen eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität dar.

    Es gibt kein Patentrezept für die Nachsorge des Ovarialkarzinoms. Einige Untersuchungsmethoden haben sich in der Erfahrung der letzten Jahre als hilfreich herausgestellt. In den ersten 3 Jahren sind zweifellos engmaschige Kontrollen sinnvoll. Dazu zählt jedenfalls die Anamneseerhebung (Verdauungsbeschwerden, Zunahme des Bauchumfangs etc), abdominale und vaginale Palpationsuntersuchung sowie die Bestimmung des Tumormarkers CA-125 (Tab. 2). Der Stellenwert der Palpationsuntersuchung für die Rezidiverkennung wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Chan et al. (2008) sehen in der physikalischen Untersuchung keine Bedeutung mehr. Im Gegensatz dazu zeigten Fehm et al. (2005), dass durch Kombination von physikalischer Untersuchung und CA-125-Bestimmung 98 % aller Rezidive entdeckt wurden. Die Vaginalsonographie spielt sicher auch eine wesentliche Rolle in der Nachsorge des Ovarialkarzinoms (Testa et al., 2005).

    CA-125 hat jedoch einen herausragenden Stellenwert in der Nachsorge und in der Rezidivfrüherkennung. Bei allen Patientinnen sollten in den ersten 3 Jahren in 3-monatigen Abständen CA-125-Bestimmungen durchgeführt werden. Steigende und fallende CA-125-Serumkonzentrationen korrelieren in über 90 % mit Tumorprogression und Regression. Eine Erhöhung von CA-125 in der Phase nach Chemotherapie zeigt meist ein Tumorrezidiv an, auch wenn es klinisch noch nicht nachweisbar ist. Die breite Verwendung von CA-125 in der Nachsorge ist zweifellos auch mitverantwortlich, dass die Second Look-Operation heute als obsolet gilt. Erhöhte CA-125-Werte zum Zeitpunkt der Second-Look-Operation zeigten bei praktisch allen Patientinnen Tumorreste an bzw. kündigten ein Rezidiv innerhalb von 4–6 Monaten an. Im Gegensatz dazu konnten normale CA-125-Werte die Situation bei der Second-Look-Operation nicht vorhersagen, da in 50 % der Fälle Tumorreste gefunden wurden. Bildgebende Verfahren (CT/MRI) sollten individuell und fallbezogen durchgeführt werden. Sie sind heute wichtige Routineverfahren in der Tumornachsorge. Im Gegensatz dazu ist PET noch nicht Teil der standardisierten Nachsorge. PET könnte eine zusätzliche Information bei Patientinnen mit steigenden CA-125 Werten und negativem CT/MRI bringen. Rustin und Mitarbeiter haben jedoch in einer großen randomisierten, doppelblinden Studie zeigen können, dass eine vorzeitige Therapie nach Anstieg des CA-125-Wertes keinen Überlebensvorteil gegenüber jenen Patientinnen zeigt, bei denen erst mit Auftreten von Symptomen eine Rezidivtherapie eingeleitet wurde (Rustin et al., 2010). Diese Ergebnisse haben zur Diskussion über die Wertigkeit einer CA-125-Bestimmung in der Nachsorge von Ovarialkarzinom-Patientinnen geführt. Es muss in dieser offenen Frage jedoch festgehalten werden, dass alle Studienpatientinnen ausschließlich chemotherapiert wurden und keine der Patientinnen einer chirurgischen Rezidivbehandlung unterzogen wurde. Man weiß, dass in der Rezidivsituation die chirurgische Therapie den größten Überlebensbenefit bringt, wenn makroskopische Tumorfreiheit erreicht wird (Harter und du Bois, 2005), und somit scheint eine Früherkennung des Rezidivs in einem „Chirurgie einbindenden Konzept“ von Vorteil und eine CA- 125-Bestimmung gerechtfertigt. Diese Schlussfolgerung ist allerdings nur dann zulässig, wenn die laufende DESKTOP-3-Studie einen Vorteil der zytoreduktiven Chirurgie gegenüber der alleinigen Chemotherapie beim platinsensiblen Rezidiv zeigen kann.