3.6.1 Chirurgie
Den Eckpfeiler der Therapie stellt die Operation mit dem Ziel der kompletten Tumorresektion dar.
Bei gesichertem BTO besteht die chirurgische Therapie aus medianer Laparotomie, genauer Exploration des gesamten Abdominalraums, Entnahme von Peritoneal-Spülflüssigkeit zur zytologischen Untersuchung, Hysterektomie, beidseitiger Adnexektomie, Entnahme multipler Peritoneal-Biopsien und Omentektomie. Aufgrund der gelegentlichen Mitbeteiligung der Appendix ist weiters bei muzinösen Tumoren eine Appendektomie obligat (Trope et al., 1998).
Aufgrund der fraglichen klinischen Relevanz von Lymphknotenmetastasen – erhöhte lokoregionäre Rezidivrate jedoch ohne Einfluss auf das Überleben (Leake et al., 1991) – ist eine systematische Lymphadenektomie nicht indiziert; im Sinne einer Tumorlastreduktion sollten hingegen „bulky nodes“ entfernt werden.
Bei Patientinnen mit Kinderwunsch ist im FIGO-Stadium I die einseitige Adnexektomie unter Belassung des Uterus und der kontralateralen Adnexe bei ansonsten exakt durchgeführter, wie oben beschriebener, Staging-Operation zulässig (Trope et al., 1998). Offen ist die Wertigkeit einer Biopsie aus dem, makroskopisch unauffälligen, kontralateralen Ovar. Zwar kommt es dadurch häufig zu einer Erhöhung des FIGO Stadiums, ob sich davon eine klinische Relevanz ableiten lässt, ist jedoch ungeklärt. Darüber hinaus ist bei negativem Befund fraglich, ob es sich um repräsentatives Gewebe handelt, bei gleichzeitiger Alteration des Rest-Ovars. Weiters wird die Sinnhaftigkeit einer Komplettierungs-Operation nach abgeschlossenem Kinderwunsch zunehmend in Frage gestellt (Papadimitriou et al., 1999).
Ganz generell wird mittlerweile hinterfragt, ob ein radikal-operatives Vorgehen empfohlen werden soll oder ob es sich hierbei um Overtreatment handelt, da die Wertigkeit einer Stadienerhöhung durch eine exakte Staging-Operation, die erhöhte Rezidivrate nach konservativer Operation sowie der Einfluss von Lymphknotenmetastasen hinsichtlich des Outcomes ungeklärt sind. Evidenzbasierte Daten bzgl. eines konservativeren Vorgehens fehlen jedoch bislang.
3.6.2 Chemotherapie
Eine adjuvante Chemotherapie ist aufgrund der niedrigen Ansprechrate der BTO und mangels Vorteil hinsichtlich Rezidivrate und Überleben auch bei fortgeschrittenen Stadien generell nicht empfohlen (Gershenson et al., 1998). Trotz allem scheint es eine – bisher nicht identifizierte – Subgruppe von Patientinnen zu geben, welche von einer Platin-haltigen Chemotherapie profitieren, sodass von manchen Autoren bei fortgeschrittenen Tumorstadien bzw. bei großem postoperativem Tumorrest eine solche empfohlen wird, wenngleich der Vorteil hinsichtlich des Überlebens unklar ist (Barakat et al., 1995). In der Praxis kann in diesen Situationen das Vorhandensein von invasiven Implantaten sowie die Ploidie des Tumors als Entscheidungshilfe herangezogen werden.
NACHSATZ: Daten hinsichtlich Irradiatio bei BTO liegen nicht vor, weshalb sie nicht empfohlen wird.

