Das Vulvakarzinom ist mit einer Inzidenz von 2–3 Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr ein seltenes Karzinom. Nach Endometrium-, Ovarial- und Zervixkarzinom stellt es das vierthäufigste gynäkologische Malignom dar und macht 5 % aller Krebserkrankungen des weiblichen Genitaltrakts aus (Siegel et al., 2011). Die Inzidenz des Vulvakarzinoms steigt mit dem Alter, besonders nach dem 60. Lebensjahr, stetig an (Judson et al., 2006; National Cancer Institute, 2006), wobei die Rate an Vulvakarzinomen besonders bei jüngeren Frauen vor dem 50. Lebensjahr innerhalb der letzten 10 Jahre deutlich zugenommen hat (Hampl et al., 2008; Joura et al., 2000; Jones et al., 2005). So zeigten Daten einer deutschen Universitätsklinik einen Abfall des durchschnittlichen Alters bei Diagnosestellung von 65 auf 57 Jahre innerhalb der letzten 20 Jahre sowie eine 4-fach höhere Zahl an Patientinnen unter 50 Jahren (Hampl et al., 2008). Als Präkanzerose wird die vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN) III verstanden, die unbehandelt in 90 % zu einem invasiven Karzinom fortschreitet (Jones et al., 2005). Ihre Zahl vervierfachte sich innerhalb der letzten 30 Jahre, wobei zwei Altersgipfel zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr sowie um das 70. Lebensjahr beobachtet wurden (Judson et al., 2006; National Cancer Institute 2006; Iversen et al., 1998). Das invasive Vulvakarzinom zeigte dagegen nur einen Anstieg von 20 % innerhalb der letzten 30 Jahre (Judson et al., 2006; National Cancer Institute 2006). Für die Zunahme der Diagnosen von VIN und Vulvakarzinom wird zu einem großen Teil die gerade im jüngeren Patientenkollektiv steigende Rate an Infektionen mit dem humanen Papilloma-Virus (HPV) verantwortlich gemacht. Die Hochrisiko-HPV-Stämme 16 und 18 werden dabei in 70–80 % aller vulvären intraepithelialen Neoplasien nachgewiesen (Madeleine et al., 1997; Nuovo et al., 1991). Eine Infektion mit den HPV-Stämmen 16 und 33 wird in 55,5 % aller invasiven Vulvkarzinome diagnostiziert (Insinga et al., 2008). Neben der VIN (Jones et al., 2005) und der HPV-Infektion (Madeleine et al., 1997; Nuovo et al., 1991) sind Zigarettenrauchen (Madeleine et al., 1997), Alkoholkonsum (Ansink, 1996), Lichen sclerosus (4 %) (Meffert et al., 1995), chronische genitale Infektionen, Immunsuppression und ein vorangegangenes Zervixkarzinom (Ansink, 1996) als Risikofaktoren für das Vulvakarzinom beschrieben (Madsen et al., 2008).

