Manual der gynäkologischen Onkologie

IX. Vulvakarzinom

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9.3. Diagnose

    Die Zeichen und Symptome aller histologischer Vulvakarzinomtypen sind ähnlich. Viele Patientinnen klagen über Juckreiz, meist dann, wenn gleichzeitig ein Lichen sclerosus oder eine vulväre Dystrophie vorliegt. Andere Symptome sind Schmerzen, Sekretion, Dysurie, Blutung und vergrößerte Lymphknoten in der Leistengegend (Ghurani et al., 2001). Viele Patientinnen sind aber auch, besonders wenn kleine Läsionen vorliegen, asymptomatisch. Bei Inspektion der Vulva zeigen sich meistens papilläre, teils exophytisch, teils exulzerierende Tumorareale im Bereich der großen Labien, seltener der kleinen Labien, des Perineums, der Klitoris und des Mons pubis. In 10 % ist eine genaue Lokalisation des Ursprungs aufgrund der Ausprägung der Läsion nicht möglich. In ca. 5–10 % finden sich multifokale Läsionen. In 20–25 % der Patientinnen finden sich bei bestehender vulvärer Tumorerkrankung auch eine meist intraepitheliale Läsion im Bereich der Zervix uteri. Dies ist auch der Grund, warum bei suspekten Veränderungen im äußeren Genitalbereich immer eine synchrone Untersuchung der Vagina und Cervix uteri inklusive Zytologiebestimmung erforderlich ist.
    Jede verdächtige Veränderung im Bereich des äußeren Genitales muss histologisch abgeklärt werden. Für die exakte Beurteilung der Ausdehnung sowie des Punctum maximum einer Läsion ist die Durchführung einer Vulvoskopie hilfreich. Die Applikation von 3- bis 5%iger Essigsäure und/oder eine Toluidinblau-Probe (Collins-Test) erleichtern die Visualisierung von prä- oder mikroinvasiven Läsionen.
    Für die Biopsie am besten geeignet ist eine 4-mm-Hautstanze, die unbedingt alle Schichten der Epidermis sowie auch darunter liegendes subkutanes Gewebe erfassen sollte. Diese wird in Lokalanästhesie durchgeführt. Im Falle von Multifokalität sollte jede einzelne Läsion extra im Sinne eines sog. „vulvären Mappings“ biopsiert werden. Zusätzlich zur Untersuchung des Genitalbereichs und histologischen Diagnostik muss eine genaue Inspektion und Palpation der Inguinalregionen beidseits zur Entdeckung klinisch suspekter Lymphknoten erfolgen. Prätherapeutisch ist neben der gynäkologischen Untersuchung und histologischen Diagnosesicherung die Durchführung einer Kernspintomographie der Inguinalregionen und des Beckens zur Evaluierung des Lymphknotenstatus sinnvoll. Andere bildgebende Verfahren sind nur bei speziellen Fragestellungen indiziert.