Manual der gynäkologischen Onkologie

VIII. Vaginalkarzinom

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8.1. Epidemiologie, Ätiologie, Risikofaktoren

    Das Vaginalkarzinom ist in 85 % ein Plattenepithelkarzinom und nur in 15 % ein Adenokarzinom, das von den Drüsen des Vaginalepithels ausgeht. Das Adenokarzinom der Vagina tritt bei jüngeren Frauen auf und ist auch verbunden mit der Einnahme von Diethylstilböstrol (DES) in der Schwangerschaft der Mutter. Dies war vor allem in den 1950er-Jahren in den USA von Bedeutung, in Europa wurde DES nur sehr selten zur Schwangerschaftserhaltung verwendet. Daher ist diese Problematik in Österreich praktisch zu vernachlässigen. Der Altersgipfel für das Plattenepithelkarzinom der Vagina liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Bei etwa 30 % aller Vaginalkarzinome besteht gleichzeitig ein Zervixkarzinom oder ein Vulvakarzinom. 1–2 % aller Karzinome des weiblichen Genitaltraktes entfallen auf das Vaginalkarzinom.

    HPV-Besiedelung:
    Auch das Vaginalkarzinom wird wie das Zervixkarzinom überwiegend durch eine persistierende HPV-Besiedelung der Scheide verursacht. Ebenso wie beim Zervixkarzinom sind hier die HPV-Stämme 16 und 18 von besonderer Bedeutung. Die Entwicklung des invasiven Vaginalkarzinoms findet ebenfalls über präinvasive Vorstufen, das so genannte In-situ-Vaginalkarzinom (vaginale intraepitheliale Neoplasie – VaIN I–III), statt. Die seit kurzem verfügbare HPV-Impfung gegen die Stämme 16 und 18 konnte auch die Entstehung der präinvasiven Vorstufen des In-situ-Karzinoms der Vagina in hohem Prozentsatz verhindern. Es ist somit die HPV-Impfung auch als primäre Präventionsmaßnahme gegen das Vaginalkarzinom zu sehen (Joura et al., 2007).