Manual der gynäkologischen Onkologie

X. Schwangerschaftsbedingte Trophoblasterkrankungen

A A A Schrift vergrößern

10.3. Klinik

Typische klinische symptome (in absteigender Reihenfolge nach Häufigkeit) sind:

  • vaginale Blutung als Leitsymptom
  • vergrößerter Uterus (größer als der Schwangerschaftswoche entsprechend)
  • Schmerzen/Druck im Becken
  • Gelbkörperzysten
  • Anämie
  • Hyperemesis gravidarum
  • Hyperthyreoidismus
  • Präeklampsie vor der 20. Schwangerschaftswoche

10.3.1 Klinik der kompletten Mole

Das Leitsymptom der kompletten Mole ist die vaginale Blutung. Durch die intrauterinen Blutungen mit Ansammlung von Blutkoageln sowie das Trophoblastwachstum kann es zu einer Vergrößerung des Uterus in Bezug auf das Gestationsalter kommen. Die stark erhöhten Serum-hCG-Werte können zu Komplikationen wie Vergrößerung der Ovarien durch Gelbkörperzysten, Hyperemesis gravidarum, frühzeitiges Entwickeln einer Präeklampsie vor der 20. Schwangerschaftswoche und einer Hyperthyreose führen. Diese Komplikationen entstehen bei ca. 25 % der Patientinnen mit einem Uterus, der der 14. bis 16. Schwangerschaftswoche oder mehr entspricht. Die meist subklinische Hyperthyreose erklärt sich aus dem partiellen TSH-Agonismus der Beta-Untereinheit des hCGs. Die Gelbkörperzysten sind eine Form der ovariellen Überstimulation, ebenfalls durch die hohen hCG-Spiegel bedingt. Gelbkörperzysten im Rahmen von kompletten Molen kommen meist bilateral und multilokulär vor und verschwinden einige Wochen bis Monate nach erfolgreicher Therapie der GTN.

10.3.2 Klinik der partiellen Mole

Die partielle Mole ist die einzige GTN, bei der ein Fetus (eventuell mit positiver Herzaktion) und Amnionflüssigkeit vorkommen. Auch bei der partiellen Mole ist die vaginale Blutung mit einer Häufigkeit von etwa 70 % das häufigste Symptom. Das klinische Bild ähnelt dem einer gestörten Frühschwangerschaft, was häufig zur Fehldiagnose eines Aborts führt. Meist ergibt erst die Histologie nach erfolgter Kürettage die Diagnose einer partiellen Molenschwangerschaft. Im Vergleich zu kompletten Molenschwangerschaften sind partielle Molenschwangerschaften deutlich seltener mit Komplikationen wie Gelbkörperzysten und Hyperthyreose vergesellschaftet, da die hCG-Werte üblicherweise niedriger sind.

10.3.3 Klinik der malignen GTN

Eine maligne GTN kann sich nach einer Molenschwangerschaft oder einer normalen Schwangerschaft entwickeln.

nach einer Molenschwangerschaft wird eine GTN typischerweise bei einer asymptomatischen Frau im Rahmen des Routinemonitorings nach einer Kürettage bei kompletter Molenschwangerschaft diagnostiziert. Das häufigste Symptom, falls vorhanden, ist die vaginale Blutung. Im Falle einer lokalisierten GTN nach Molenschwangerschaft handelt es sich meistens um eine invasive Mole, nur selten um ein Chorionkarzinom. Bei einer metastasierten Erkrankung liegt praktisch immer ein Chorionkarzinom vor. Nur selten kommt eine GTN nach einer partiellen Molenschwangerschaft vor, wobei sowohl eine lokalisierte als auch eine metastasierte Erkrankung nach partieller Mole möglich ist.

Risikofaktoren für das Auftreten einer GTN nach Molenschwangerschaft und Kürettage
sind:

  • große Gelbkörperzysten > 6 cm Durchmesser
  • exzessiv vergrößerter Uterus in Bezug auf das Gestationsalter
  • Alter >40 Jahre
  • vorangegangene GTN
  • initiales β-hCG von > 100.000 mIU/ml
  • Hyperplasie oder Atypien in der Histologie

Nach nicht-Molenschwangerschaft handelt es sich bei einer malignen GTN praktisch immer um ein Chorionkarzinom, nur in seltenen Fällen um einen PSTT. Das häufigste Symptom ist die unregelmäßige vaginale Blutung. Das typische klinische Erscheinungsbild besteht in einer spät auftretenden vaginalen Blutung nach einer Geburt, die üblicherweise über die typischen 6–8 Wochen post partum anhält. Die Blutung kann aber auch erst ein oder mehrere Jahre nach der vorausgegangenen Schwangerschaft auftreten.
Respiratorische Symptome wie Husten, Brustschmerzen, Hämoptysis oder gastrointestinale, zerebrale und urologische Blutungen stellen einen Hinweis auf das Vorliegen einer metastasierten Erkrankung dar. Lebermetastasen können sich durch epigastrischen Schmerz oder Schmerzen im rechten Oberbauch äußern. Die gynäkologische Untersuchung ergibt oft einen vergrößerten Uterus mit bilateralen Ovarialzysten. Vaginale Metastasen kommen in ca. 30 % der Fälle vor, sind stark vaskularisiert und bluten leicht.

10.3.4 Klinik des PSTT

Der PSTT ist ein seltener maligner Tumor und tritt typischerweise Monate bis Jahrenach einer normalen Schwangerschaft auf. Häufig bestehen eine irreguläre vaginale Blutung und ein vergrößerter Uterus. Amenorrhö oder Virilisierung können vorkommen, auch das Auftreten eines nephrotischen Syndroms wurde beschreiben. Im Vergleichzu anderen GTNs ist die Serum-hCG-Konzentration bei PSTT relativ niedrig inBezug auf das Tumorvolumen. Bei über 30 % der Patientinnen besteht zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine metastasierte Erkrankung.